Glücksbote seit über 60 Jahren

In der Lotteriegeschichte kommt seit 1732 einem Akteur eine besondere Rolle zu: dem Lotterie-Einnehmer. Er verkauft die Lose, benachrichtigt die Gewinner und kümmert sich um die komplette Gewinnabwicklung – ein Beruf, der bis heute Bestand hat. Heinz Paetsch ist seit über 60 Jahren im Geschäft und kann mit Stolz behaupten, Deutschlands dienstältester Lotterie-Einnehmer zu sein.

Heinz Paetsch (2012)

Den Beruf des Lotterie-Einnehmers gibt es seit 1732. Was verbirgt sich hinter dieser Berufsbezeichnung?

"Der Lotterie-Einnehmer ist derjenige, der die Lose verkauft und den gesamten Kundenservice übernimmt. Ich rufe die Gewinner persönlich an und zahle die Gewinne aus. Auch für die Übergabe der Sachgewinne, z. B. der Autos, bin ich zuständig. Unsere Kunden können sich dabei auf eine schnelle und diskrete Abwicklung verlassen."

Sie sind Deutschlands dienstältester Lotterie-Einnehmer. Wie kamen Sie vor über 60 Jahren zu diesem Beruf?

"Ich war ein Kind der Nachkriegszeit. Damals war es üblich, dass Besitzer großer Wohnungen Menschen aufnahmen, deren Wohnungen im Krieg zerstört wurden. Bei Firmen verhielt es sich ähnlich. So kam es dazu, dass meine Eltern eine Lotterie-Einnahme in ihren Geschäftsräumen aufnahmen. Unerwartet erlitt der Geschäftsführer dieser Lotterie-Einnahme dann einen Schlaganfall und war von einem auf den anderen Tag arbeitsunfähig. Ich selbst war noch minderjährig und sprach deswegen mit meinem Vater zusammen bei der Deutschen Klassenlotterie in Berlin vor, denn ich wollte die Lotterie-Einnahme weiterführen. Mit 21 Jahren wurde ich dann Lotterie-Einnehmer, und später starb der erkrankte Geschäftsführer. Um die Lotterie-Einnahme mein Eigen nennen zu können, zahlte ich den Betrieb in 100-Mark-Raten ab. 1960 wurde ich Vorsitzender der Berliner Lotterie-Einnehmer und 1984 Vorsitzender des Fachverbandes."

Was hat sich in den letzten Jahrzehnten an Ihrer Arbeit verändert?

"Natürlich haben sich viele Arbeitsabläufe geändert. Inzwischen läuft fast alles elektronisch ab, während zu früheren Zeiten noch Losebuch und Stift benutzt wurden. Es gab zum einen Karteikarten, auf denen die Kunden und ihre Gewinne verzeichnet wurden, und zum anderen das Losebuch, in dem die Zahlungen und Gewinne aufgeschrieben wurden. Für jede Lotterie wurde ein neues Buch geführt.

Mit dem derzeit geltenden Glücksspielstaatsvertrag hat sich die Arbeit eines Lotterie-Einnehmers erschwert. Wir haben mehr bürokratischen Aufwand als früher und zudem enorme werbliche Restriktionen wie Werbeverbote im Fernsehen und im Internet sowie enge Vorgaben bei der Konzeption unserer Werbung."