Glücksbote seit über 60 Jahren

Heinz Paetsch (Mitte) mit seinen Mitarbeiterinnen und Kunden (1968)

Sie haben den Beruf an Ihre Tochter weitergegeben. Wie kam es dazu?

"Eigentlich ist meine Tochter Juristin. Durch den frühen Tod meiner Frau haben wir ein sehr enges Vater-Tochter-Verhältnis. Als meine Tochter anfing, sich für meinen Beruf zu interessieren, hat mich das natürlich sehr gefreut. Nach und nach übernahm sie immer mehr Aufgaben in der Lotterie-Einnahme. Zuerst war sie für die Werbung zuständig, dann begann sie die Hauptversammlungen des Fachverbandes zu organisieren und auszurichten und heute leitet sie die Lotterie-Einnahme Paetsch."

Als Lotterie-Einnehmer kommt Ihnen auch die schöne Aufgabe zu, Ihre Gewinner zu benachrichtigen. In über 60 Jahren Geschäftsleben erlebt man sicher Einiges. Haben Sie eine persönliche Lieblingsglücksgeschichte?

"Da gibt es einige. Da ich meine Spielteilnehmer immer persönlich anrufe, um sie über ihren Gewinn zu informieren, durfte ich schon viele Begeisterungsausbrüche hören. Einer meiner Kunden war allerdings so geschockt, dass er zu mir sagte: »Ich muss erst mal den Hörer weglegen und einen Cognac trinken!«

Eine meiner Lieblingsgeschichten beginnt mit einem Gewinn von 250.000 Euro. Die Gewinnerin teilte mir mit, dass sie das Geld gern in bar haben möchte. Nach den entsprechenden Vorkehrungen traf ich die Dame in der Bankzentrale in Berlin. Dort erzählte sie mir, dass sie sich mit dem Geld nun in Richtung Köln begeben wolle. Denn dort wohne jemand, der ihr einmal das Leben gerettet habe. Ihrem Lebensretter hatte sie damals versprochen, wenn sie jemals zu Geld kommen sollte, es ihm zu schenken. Eine ehrenwerte Haltung, wie ich finde.

Kurios hingegen ist die Geschichte eines Auto-Gewinners. Ein Spielteilnehmer hatte einen Porsche gewonnen und musste sich, ohne einmal damit gefahren zu sein, direkt wieder davon trennen: »Ich komme mit meinem Bauch nicht in das Auto rein.«"

Was ist für Sie persönlich Glück?

"Der Sport hat mir schon immer die Kraft gegeben, alles zu schaffen. Seit über 60 Jahren, also mein ganzes Berufsleben lang, rudere ich schon im Berliner Ruderclub. Daher würde ich sagen, dass ich Glück empfinde, wenn ich im Boot meines Altherren-Sonnabendachters sitze und in der Natur sein kann – natürlich ist das eine ganz andere Art von Glück als das, das unsere Gewinner empfinden, wenn sie die Botschaft eines Millionengewinns erhalten."